asia intensiv Aus- und Weiterbildung in Japanisch, Chinesisch Koreanisch - Professioneller Sprachunterricht für Zielbewusste
Schule für moderne asiatische Sprachen - Dr. Heinrich Reinfried
 
 

Asiatische Sprachen -
Englisch stösst an die Chinesische Mauer

Dr. Heinrich Reinfried
Aus: DIE WELTWOCHE, 17.1.2002

Wer im Zukunftsmarkt Asien Geschäfte abschliessen will, muss schon bald
Chinesisch, Japanisch oder Koreanisch können. Andernfalls droht ihm das Image, arrogant und faul zu sein

Englisch ist heute unbestritten die wichtigste internationale Verständigungssprache. Doch wer glaubt, Englisch setze sich auch in den asiatischen Zukunftsmärkten durch, könnte sich täuschen.

Denn dort wird die Unfähigkeit, die Sprache des Kunden zu sprechen, schnell einmal als fehlender Leistungswillen ausgelegt - ein Umstand, der ganze Projekte scheitern lassen kann. Wie wichtig Kenntnisse einer asiatischen Sprache sind, merken viele Europäer erst, wenn sie sich in einer chinesischen Provinz mit einem einheimischen Betriebsleiter verständigen müssen. Oder wenn sie sich in einem japanischen Forschungslabor mit einer diffizilen Apparatur und einer Gebrauchsanweisung auf Japanisch wiederfinden.

Die hohe Sprachbarriere trägt erheblich dazu bei, dass die Achse zwischen Japan und der EU im entscheidenden globalen Forschungsdreieck USA-EU-Japan am schwächsten ausgebildet ist. 1999 führten 32 000 japanische Wissenschaftler an europäischen Universitäten Projekte durch, aber nur 6170 Europäer forschten zur gleichen Zeit an japanischen Universitäten. Zwischen 1998 und 2001 wurde in Europa gerade ein einziges von insgesamt zwanzig Stipendien für Forschungsaufenthalte der Japan Society for the Promotion of Science in Anspruch genommen!

Mittlerweile erkennen viele junge Menschen in unseren Nachbarländern die Chancen, die sich aus dieser Situation ergeben. Sie stellen sich in wachsender Zahl den international durchgeführten staatlichen Japanisch- und Chinesisch-Fähigkeitsprüfungen, um anschliessend in Japan oder China zu arbeiten. Aber auch in der Schweiz steigen seit ungefähr zehn Jahren die Teilnehmerzahlen in Sprachkursen für Japanisch und Chinesisch an Universitäten, ETH, Fach- und Volkshochschulen, Gymnasien wie an privaten Schulen. Während früher vor allem künftige Spezialisten für Linguistik oder Literatur ostasiatische Sprachen studierten (Sinologie und Japanologie), sind es heute vermehrt Fachleute aus anderen Sparten, die berufs- oder studienbegleitend eine asienbezogene Zusatzqualifikation erwerben.

Damit einher geht eine Auffächerung der Lernziele: Wo in früheren Jahrzehnten vor allem die Hochkultur mit Religion, Kunst, Literatur und Architektur zur Beschäftigung mit einem asiatischen Land animierte, ist es heute vermehrt auch die Populärkultur, die mit Manga, Sushi und Pokémon das Interesse an Asien weckt. Tokio ist heute Kult und dank Last-Minute-Angeboten schon einmal Ziel eines Ausflugs von nur einer Woche. Das neu erworbene Wissen soll möglichst bald nutzbringend ins eigene Tätigkeits- oder Interessengebiet einfliessen.

Leute, die eine ostasiatische Sprache lernen, verfügen zumeist bereits zu Beginn über eine starke Motivation. Vielleicht weil sie demnächst nach China reisen, oft auch weil sie als Kinder aus internationalen Ehen Verwandte in Ostasien besuchen möchten. Andere verbrachten mit ihren Eltern einige Jahre in Asien und frischen nun ihre als Kind erworbenen Kenntnisse auf. Gymnasiastinnen bereiten sich auf ein Austauschjahr in einer japanischen Mittelschule, Studierende auf ein Praktikum oder ein Austauschsemester in einem asiatischen Land vor.

Begehrt sind insbesondere Praktikumsplätze in Firmen in Japan, wie sie mitunter von Fachhochschulen vermittelt und von der Wirtschaftskammer Schweiz-Japan unterstützt werden. Professoren, die berufliche Kontakte in Asien haben, lernen die entsprechende Sprache, um sich mit ihren asiatischen Fachkollegen besser verständigen zu können. Kaderleute, die in Fernost über mehrere Jahre eine Tochterfirma aufbauen sollen, und Aussendienstmitarbeiter, die öfter nach Asien reisen, versprechen sich von Kenntnissen der lokalen Sprache privaten und geschäftlichen Nutzen. Wo vor Jahrzehnten noch Bedenken gegenüber einem möglichen «going native» ihrer Mitarbeiter überwogen, begrüssen und unterstützen mittlerweile viele Firmen solche Anstrengungen lernwilliger Mitarbeiter und ihrer Lebenspartner.

Persönliche Begegnungen mit Menschen aus Ostasien führen ebenfalls häufig zum Studium der Sprache. In Sprachschulen in Amerika, England oder Australien erhalten Schweizer oft erstmals Gelegenheit zu Kontakten mit asiatischen Mitschülern. «Meine beste Freundin in den Vereinigten Staaten war eine Japanerin», heisst es dann etwa in der Begründung einer Gymnasiastin für die Wahl ihres Freifaches.

Chinesisch, Japanisch oder Koreanisch zu lernen, erfordert einen höheren Zeitaufwand als Sprachen aus dem europäischen Umfeld. Dies nicht weil sie schwieriger sind, sondern weil sie uns wirklich «fremd» sind. Hilfreiche Ähnlichkeiten in Satzbau und Vokabular fallen weg, Schriften verlangen eine zusätzliche Anstrengung; die Schwierigkeiten liegen nicht da, wo man sie erwartet. Es gilt deshalb von Beginn an, ungleich mehr Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten als bei einer europäischen Fremdsprache. Viel Fleiss und Ausdauer ist anschliessend erforderlich, um das theoretische Wissen in praktisches Können überzuführen. Da sind jene im Vorteil, die sich durch die Komplexität einer Herausforderung eher anspornen denn abschrecken lassen.

Bei berufsbegleitender Aus- und Weiterbildung entscheidet sehr oft der Zeitfaktor über Erfolg oder Misserfolg. Natürlich fasziniert in einer fremden Kultur vieles. Dies und jenes möchte man auch noch lernen. Soll eine Fremdsprache innert nützlicher Frist erlernt werden, müssen die Anstrengungen aber klar auf ein sprachliches Lernziel fokussiert bleiben. In westlichen Ländern wird der Unterricht in asiatischen Sprachen häufig mit kulturellen und landeskundlichen Inhalten überfrachtet. Was Europäer wirklich benötigen, ist eine fachlich einwandfreie Instruktion und intensives Training, damit sie sich im Gastland möglichst bald autonom bewegen können. Dabei gilt, dass man sich die Grundlagen der Sprache in der Schweiz mit vertrauten Lernmethoden aneignen sollte, um sie dann im neuen Arbeitsumfeld in Asien praktisch anzuwenden. Erst dann folgt der gezielte Ausbau gemäss den Anforderungen des eigenen Fachgebietes. Kulturelle Aspekte können zu einem späteren Zeitpunkt durch andere Lehrangebote abgedeckt werden. Der Lernerfolg sollte nicht allein an der Fähigkeit zu sprechen gemessen werden - verstehen ist oft wichtiger als sprechen.

In Europa gehen wir ganz selbstverständlich davon aus, dass man, um den Puls einer Gesellschaft zu fühlen, Zeitungen lesen und Diskussionen am Fernsehen folgen können muss. Wieso soll dies für Asien keine Gültigkeit haben, nur weil es mit einer zusätzlichen Lernanstrengung verbunden ist? Gerade in asiatischen Face-to-Face-Gesellschaften, in denen kontroverse Themen im persönlichen Gespräch gemieden werden, muss man sich über heikle Dinge öfter in den Medien oder der Sachliteratur informieren. Beherrscht man die Sprache, kann man sich heute dank Internet und Satellitenfernsehen auch in Europa über Ostasien umfassend informieren. Angesichts der frei zugänglichen Informationen in Medien und Buchpublikationen mutet es orakelhaft an, wenn in hiesigen Zeitungen die Frisur des Premierministers für Prognosen zur japanischen Politik herhalten muss.

Wirtschaftlich bedeutende Nationen wie China und Japan werden in Zukunft aus Nationalstolz ihre eigene Sprache vermehrt international zur Geltung bringen wollen. Wer Macht hat, führt Pressekonferenzen in der eigenen Sprache durch. Wenn chinesische Leser aus einer Zeitschrift erfahren, dass Frankreichs Mittelschulen «von einer Chinesischwelle erfasst werden», interpretieren sie dies als ein Beweis dafür, dass ihre Nation von Europa als kulturell ebenbürtig anerkannt wird. Auch in Japan wird über die weltweite Anzahl der Japanischlernenden genau Buch geführt.

Wer darauf baut, dass Englisch sich in China und Japan im Zug der Globalisierung als Zweitsprache durchsetzen wird, übersieht einen wichtigen Aspekt: In Asien wird die angelsächsische Welt nicht nur mit Demokratie und Menschenrechten in Verbindung gebracht, sondern auch mit dem Imperialismus.

Kulturen verstehen

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Warum asiatische Sprachen lernen?

Interview, 21.1.2006

SCHWEIZER ARBEITGEBER,
Interview, 28.1.1999

  

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